|
1895 - Gründung des KKV Hansa Bielefeld
Wie in allen deutschen Städten, hatte sich auch in Bielefeld ein Umbruch der Gesellschaft vollzogen, der auf allen Gebieten neue Formen des gesellschaftlichen Lebens forderte. Aus dem patrizischen Städtchen Bielefeld war eine aufstrebende Industriestadt mit 47.450 Einwohnern geworden. 5.560 Katholiken wohnten in der Stadt, jedoch nur 600 von ihnen waren für die Stadtverordnetenwahlen zugelassen, denn dazu war ein Jahreseinkommen von mindestens DM 900,- nachzuweisen.
Das kommunalpolitische Leben Bielefelds wurde noch weitgehend von den alten Kaufmannsfamilien bestimmt. Wirtschaftlich hatte der Bielefelder Raum trotz der Krise von 1885/86, die hauptsächlich die Textilindustrie betraf und der Krise von 1890 bis 1892, die auch auf die Metallindustrie übergriff, einen rasanten Aufschwung genommen. In den Jahren von 1880 bis 1895 hatte sich die Zahl der Industriebeschäftigten von 5.524 auf 11.622 mehr als verdoppelt.
Die nach liberalen Grundsätzen arbeitende Industrie forderte von ihren Beschäftigten lange Arbeitszeiten, täglich 11-12 Stunden, bei geringem Verdienst. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die sozialistischen Ideen von den Arbeitern freudig aufgenommen wurden.
Dem liberalistischen Individualismus und dem kollektiven Massendenken des Sozialismus stellte die kath. Kirche den Ständegedanken als Grundprinzip ihrer politischen Gesellschaftsordnung entgegen.
Auch in Bielefeld konnte sich dieser Zeitgeist etablieren und so trafen sich am 12. Dezember 1895 einundzwanzig Bielefelder Kaufleute zur Gründung eines Kaufmännischen Vereins. Sie folgten einer Anregung des Bischöflichen Stuhls in Paderborn und der besonderen Einladung von Pfarrer Bartels aus der St. Jodokus Gemeinde.

Am 16. Januar 1896 gab sich der Katholische Kaufmännische Verein in seiner konstituierenden Versammlung den Namen „KKV - HANSA”. Der erste wissenschaftliche Vortrag in der Vereinsarbeit galt deshalb auch der hanseatischen Kaufmannsgilde.
zurück ..........|.......... weiter
|